Wohnen

Existenz von Einraumwohnungen bedroht?

von Redaktion am Donnerstag, 18. April 2013
Einraumwohnung
Einraumwohnungen erfreuen sich zwar nach wie vor großer Beliebtheit, werden aber immer weniger bei Neubauprojekten mit eingeplant. Foto: squarewithin / flickr.com / CC BY-NC-ND 2.0

Einraumwohnungen gehören schon lange zu den beliebten Wohnformen. Spätestens seit den 1950er Jahren waren vor allem Arbeiter und junge Leute an kostengünstigen Wohnmöglichkeiten interessiert. Eine aktuelle Projektanalyse zeigt indes, dass Bauträger gar kein Interesse daran besitzen, bei Neubauten auch kleine Wohnungen zu planen, obwohl die Nachfrage nach wie vor sehr hoch ist.

Projektentwickler für Neubauten sehen bei der Planung kaum noch Einzimmerwohnungen vor, obwohl die Zielgruppe keineswegs ausgestorben gilt. Nicht nur die zahlreichen Studenten müssen untergebracht werden, auch Singles oder alleinstehende Menschen müssen bei derzeitigen Wohnungspreisen immer häufiger auf eine Einzimmerwohnung zurückgreifen. Auch Erich Bernard von BWM Architekten bestätigt, dass diese Wohnform ein Auslaufmodell bei Neubauprojekten sei. Das bedeutet, dass Mieter mit Interesse an diesen Wohnungen sich den vorhandenen Bestand teilen müssen.

Gründe für die fehlende Planung von Einraumwohnungen

Zunächst klingt es unlogisch, dass die Garconnière sich zunehmender Beliebtheit erfreut, während gleichzeitig keine neue Einzimmerwohnungen geschaffen werden. Martin Müller von JP Immobilien spielen vor allem wirtschaftliche Gründe eine Rolle, wie er gegenüber „Die Presse“ verdeutlicht. Viele kleinere Wohneinheiten zu planen und zu errichten sei einfach teurer als es bei großen Wohnungen der Fall ist. Außerdem würde das Interesse an den Wohnungen bereits zurückgehen. Kleinere Wohnungen sind außerdem schwieriger zu verkaufen, weil auf der einen Seite die Zielgruppe über kein Eigenkapital verfügt, zum anderen sind die bei Investoren unbeliebter, da es für viele Mieter nur eine Übergangslösung darstellt und die Mieter somit häufiger wechseln. Dadurch wird auch der Wiederverkauf erschwert, weswegen Investoren lieber auf größere Wohnungen setzen.

Auch das Wohnverhalten und die Wünsche haben sich bei Mietern und Wohnungskäufern in den letzten Jahren geändert: Es wird Wert auf mehr Wohnfläche sowie auf größere und separierte Räume gelegt. Zudem sind die Preise pro Quadratmeter bei kleinen Wohnungen häufig höher, weswegen vor allem immer mehr junge Leute bevorzugt ein WG-Zimmer beziehen.

Rückblick

Seit den 1950er Jahren bis ins Jahr 2005 hinein war die Einraumwohnung eine äußerst beliebte Investitionsform. Mit der Einraumwohnung konnten sich junge Menschen von zu Hause abnabeln und auf eigenen Füßen stehen, während sich die Kosten und Hausarbeit in Grenzen hielten. Mit der dann folgenden Wirtschaftskrise ging die Nachfrage zurück, der Markt erholt sich seitdem nur langsam. Seit 2009 hat sich die Lage stabilisiert und die Nachfrage steigt wieder an, allerdings werden jetzt weniger Einraumwohnungen geschaffen.

Wie geht es weiter?

Dennoch hat die Garconnière eine Zukunft, da diese Immobilienexperten längerfristig betrachtet die attraktiveren Wohnmodelle seien, vorausgesetzt, das Umfeld und die Infrastruktur stimmen. Auch Architekten sehen die Zukunft der Einraumwohnung als gesichert. Besonders bei gehobenen Ansprüchen sind kompakte und luxuriöse Wohnungen mit durchdachtem Wohnraum und variablen Möblierungslösungen zumindest für Durchreisende, die nicht im Hotel wohnen wollen, eine echte Alternative. Zusätzliche Barrierefreiheit würde auch den Weg für älteren Mieter ebnen. Die Einraumwohnung sterbe also noch nicht aus, so Architekt Bernard. Auch Immobilienmakler Müller bestätigt, dass er jede Woche Einzimmerwohnungen vermietet und die Nachfrage nach wie vor hoch sei.

 

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