Wohnen

Makabre Immobilie: Wohnen in Hitlers Geburtshaus?

von Redaktion am Donnerstag, 11. Oktober 2012
Diskussionen um die künftige Nutzung von Hitlers Geburtshaus.
Braunau am Inn: Diskussionen um die künftige Nutzung von Hitlers Geburtshaus. Foto: Mattes / wikimedia / cc-by-sa 3.0

Geht es nach dem Willen des Bürgermeisters von Braunau, findet das Geburtshaus Adolf Hitlers in naher Zukunft eine neue Verwendung als Wohnhaus. Er hält eine Gedenkstätte für die Opfer des Holocausts „nicht zwingend“ für nötig.

Um die zukünftige Nutzung des Geburtshauses von Adolf Hitler im oberösterreichischen Braunau ist in Österreich eine hitzige Debatte im Gange. Seit über einem Jahr steht das zweistöckige Gebäude leer, zuvor war darin eine Behindertenwerkstatt untergebracht.

Eine Äußerung des Braunauer Bürgermeisters Hannes Waidbacher (ÖVP) gegenüber der Zeitung „Standard“ hat die Diskussion erneut angeheizt. Er würde statt einer Gedenkstätte lieber Wohnungen dort einrichten. Immerhin habe Braunau in der Vergangenheit viel dafür getan, um die Geschichte aufzuarbeiten. Es sei daher nicht unbedingt nötig, aus dem Geburtshaus Hitlers eine Holocaust-Gedenkstätte zu machen.

Stadt unterliegt einer Stigmatisierung

Die Stadt unterliegt nach Waidbachers Meinung ohnedies einer Stigmatisierung. Hitler habe lediglich die ersten drei Jahre seines Lebens hier verbracht. Sie seien bestimmt nicht die prägendsten seines Lebens gewesen. Weiterhin fragt sich der konservative Bürgermeister, für was er die Verantwortung übernehmen solle. Schließlich sei er erst 21 Jahre nach dem Ende des Krieges geboren.

Seinen Vorschlag zur Umwandlung des Hitler-Geburtshauses in ein Wohnhaus brachte Waidbacher allerdings in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa nicht noch einmal zum Ausdruck. Hier sprach er von verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten, die seiner Ansicht nach infrage kämen. Waidbacher möchte eine tragbare und vor allem zu leistende Lösung für alle Beteiligten. Aktuell ist das Innenministerium Mieter des Hauses. Es bezog dahingehend Stellung, dass derzeit diverse Nutzungsmöglichkeiten geprüft werden. Details könne man aber nicht preisgeben. Gemeinde und Bürgermeister betonten gleichermaßen ihr Bewusstsein gegenüber der historischen Verantwortung.

Idee der Umgestaltung zum Wohnhaus erntet Kopfschütteln

Bei dem Politikwissenschaftler und wissenschaftlichen Leiter der Braunauer Zeitgeschichte-Tage, Andreas Maislinger, erntet die Idee der Umwandlung Kopfschütteln. Sollten sich angesichts der Geschichte des Hauses und der derzeitigen Wohnungssituation in Braunau überhaupt Mieter finden, ist eine verfassungsrechtliche Prüfung unumgänglich.

Maislinger sieht das Haus als ideale Begegnungsstätte für Jugendliche aus der ganzen Welt. Sie könnten sich dort mit der Geschichte auseinandersetzen. Vor mehr als einem Jahrzehnt hat er bereits ein entsprechendes Konzept vorgelegt.

 

Dieser Beitrag wurde unter Wohnen abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentare sind geschlossen.