Wohnen

Immer mehr Altbauten in Wien werden Abgerissen

von Redaktion am Montag, 28. Mai 2012
Mariahilfstraße Wien
Wiener Gründerzeithäusern droht der Abrissbagger. Foto: Herbert Ortner / wikimedia / cc-by-sa 3.0

Wien lebt von seinem besonderen Flair, der nicht zuletzt auf das historische Erbe zurückzuführen ist. Dazu zählt auch die Bausubstanz in der Bundeshauptstadt. Doch der Raubbau am historischen Erbe nimmt kein Ende. Pro Jahr werden ca. 160 Gebäude aus der Gründerzeit abgerissen

Derzeit verschwindet an der Ecke Döblinger Gürtel und Döblinger Hauptstraße wieder ein Stück Wiener Geschichte. Der dortige Altbau wird abgerissen, an seiner Stelle entsteht ein modernes Hotel des französischen Hotelriesen Accor, mitfinanziert von der Hypo Steiermark.

Das Gebäude war zwar ein optisches Highlight, stand aber nicht unter Denkmalschutz. Zudem monierte Investor Franz Honegger, dass im alten Gebäude nur eine Kapazität für 75 Zimmer vorhanden war. Mit dem Neubau seien 133 Zimmer und zusätzlich noch eine Tiefgarage möglich geworden. Das ist für ihn ein entscheidender Pluspunkt bei der Kalkulation.

Bei Experten und Bevölkerung ruft der bevorstehende Abriss Kritik hervor – weil er einer von vielen ist. Jedes Jahr verschwinden etwa 170 Häuser dieser Art, etwa ein Prozent des Gesamtbestandes in Wien. Wenn dieser Trend so weitergeht, wird das Zinshaus ein immer knapper werdendes Gut im Wiener Immobilienmarkt. Bis jetzt konnte dem kein Riegel vorgeschoben werden, wie Markus Landerer, Vorstand der Initiative Denkmalschutz, gegenüber dem Wirtschaftsblatt bedauert. Die Ausweitung der Schutzzonen sei zwar schon vor fünfzehn Jahren vorgeschlagen worden, passiert sei aber nichts.

Eugen Otto von Otto Immobilien, der den Zinshausmarkt in Wien bestens kennt, sieht derzeit noch keine Trendwende bei den nach oben zeigenden Immobilienpreisen. Die Renditen sänken, aber die Investoren ziehen die Sicherheit einer höheren Rendite vor. „In Berlin kauft man Rendite, in Wien Sicherheit“, weiß Richard Buxbaum zu berichten, der bei Otto Immobilien die Sparte Wohnimmobilien und Zinshäuser leitet. Zwar würde die Spitze der Investitionen, die in 2009 bei über einer Milliarde Euro lagen, nicht wieder erreicht werden. Aber im Vorjahr waren es immerhin wieder 780 Millionen, und heuer rechnet er mit einem Zuwachs von 10 %. Durch die Änderung der Immobilienbesteuerung sieht er eher noch eine Belebung des Marktes.

 

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