Nachhaltigkeit

Ökostrom: Kennzeichnung nach strengeren Regeln

von Katharina Hoessle am Donnerstag, 23. Juni 2011
Windenergie
Ein großer Anteil der Stromproduktion fällt in Österreich auf erneuerbare Energien - mehr als in Gesamteuropa. Foto: Paul-Georg Meister / PIXELIO

Die Herkunft des Oköstroms soll transparenter gemacht werden – und garantieren, dass es sich tatsächlich um solchen handelt. So lautet die Quintessenz aus der von E-Control erstellten Verordnung zur Stromkennzeichnung.

Unter dem Deckmantel der Transparenz plant die E-Control – wie die eingereichte Verordnung zur Stromkennzeichnung deutlich macht -, die Regeln für Ökostrom anzuziehen. Die Verordnung sieht vor, dass Elektrizität aus erneuerbaren Energien nur dann anerkannt werden soll, wenn die Herkunft desselben entsprechend der EU-Kriterien dokumentiert wurde, so Martin Graf, Vorstandsmitglied der Regulierungsbehörde.

Maßgebliche Auswirkungen für den an Europas Strombörsen gekauften Strom werden nun befürchtet, da dieser bislang mit dem Etikett „unbekannt“ versehen wird und ohne Herkunftsnachweise gehandelt wird. Der Anteil des an Europas Strombörsen gekauften Stroms durch Österreich betrug in den beiden vorigen Jahren 2009 und 2010 circa 17, 5 Prozent. Damit hat der „unbekannte“ Strom einen recht beachtlichen Anteil am österreichischen Strommix inne. Bisher wurde diese elektrische Energie nach dem Verteilungsschlüssel des europäischen Energiemixes, ENTSO-E, klassifiziert. Daran soll sich nach den Vorstellungen von E-Control nun einiges ändern.

In der Verordnung zur Stromkennzeichnung sieht die E-Control vor, den Strom aus Wasserkraft oder sonstigen erneuerbaren Energien aus dem Verteilungsschlüssel herauszurechnen. Grund dafür sei die Annahme, dass in dem Strom „unbekannter“ Herkunft kein wirklicher Ökostrom enthalten sei, erläuterte Martin Graf. Resultat aus der Maßnahme wäre überdies, dass Doppelzählungen vermieden würden, da beinahe die gesamte heimische Wasserkraft auch unter der Klassifizierung ENTSO-E läuft. Dies bedeutet, dass künftig in Anlehnung an die im Dezember 2010 geänderten Vorgaben des Elektrizitätswirtschaftsgesetzes (Elwog), im ENTSO-E weder der Anteil an Wasserkraft (rund 18,9%), noch der Anteil der sonstigen erneuerbaren Energien (ca. 7,2%) Berücksichtigung finden werden. Durch diese Regelungen wird sich der Anteil des aus fossilen und nuklearen Quellen gewonnenen Stroms auf 64,5% bzw. auf 35,1% erhöhen. Dies wiederum bedeutet auch einen starken Anstieg fossiler und nuklearer Stromquellen am österreichischen Strommix.

Ökostrom – „Made in Austria“

Anvisiert ist für die Zukunft, geht es nach Energiekommissar Günther Oettinger, bis 2014 den Handel von elektrischer Energie mit Herkunftsnachweisen zu verstärken. Bis es so weit ist, wird E-Control jedoch den Anteil an erneuerbaren Energien aus dem importierten Strom herausrechnen. Sinn und Zweck der strengeren Dokumentationspflicht ist die Förderung des Verkaufes von Qualitätsstrom „Made in Austria“ für Ökostromanbieter.

Außerdem sieht die Verordnung der E-Control vor, den Bilanzierungsraum für Stromkennzeichnung und Energielieferung von bisher einem Jahr auf ein einziges Quartal zu kürzen. Eine zeitnahe Belegung der Stromerzeugung solle, so Graf, die Glaubwürdigkeit und Transparenz der Stromkennzeichnung befördern. Eine endgültige Beschlussfassung der Verordnung ist im Spätsommer dieses Jahres zu erwarten, die Umsetzung soll Anfang 2012 realisiert werden.

In Österreich wird übrigens weitaus mehr Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen als im Rest Europas. Satte 51,6 Prozent Strom wurden durch Wasserkraft erzeugt, während die „sonstigen“ Energiequellen wie Photovoltaik, Biomasse, Biogas oder Windkraft immerhin 13,5 Prozent Strom produzierten.

 

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