Mieten

Mietwucher in Altbauten?

von Redaktion am Dienstag, 30. April 2013
Altbau in Wien: Besonders bei befristeten Mietverträgen in Altbauten sind die Preise deutlich zu hoch. Foto: Rainer Sturm / PIXELIO

Die Wiener Arbeiterkammer (AK) regt zur Anhebung der geltenden Richtwerte an. Sie hat eine Auswertung von Inseraten mit Mietangeboten für Altbauwohnungen vorgenommen. Diese hat ergeben, dass Wohnungen mit befristen Mietverträgen zu teuer sind.

Die Wiener Arbeiterkammer (AK) hat kürzlich eine Auswertung von 150 Inseraten zur Vermietung von Altbauwohnungen durchgeführt. Dabei kam heraus, dass Mietwohnungen mit befristeten Verträgen mehr als drei Viertel teurer sind, als erlaubt. Bei unbefristeten Mietverhältnissen sind die Kosten um ein Drittel höher. Als Begründung für diese Entwicklung nannte die AK ungerechtfertigte Aufschläge auf den Mietzins. Etwa zwei Monate im Jahr arbeitet demnach ein durchschnittlicher Mieter einer befristeten Wohnung für die Rendite des Vermieters, so Gabriele Zgubic, Leiterin der AK Konsumentenpolitik.

Annoncen mit befristeten und unbefristeten Angeboten bilden Grundlage der Untersuchung

Für die Auswertung wurden von der Kammer 65 befristete und 85 unbefristete Angebote genauer betrachtet. Der per Gesetz festgelegte Richtwert sieht im Durchschnitt für eine Altbauwohnung 5,16 Euro pro Quadratmeter vor. Ein befristetes Mietverhältnis unterliegt einem 25-prozentigen Abschlag. Demzufolge beläuft sich der Quadratmeterpreis auf 3,87 Euro. Darauf aufbauend wurden die zulässigen Zuschläge nach den individuellen Eigenschaften des jeweiligen Objektes ermittelt, die im Inserat genannt wurden. Hier spielte beispielsweise eine Rolle, in welchem Stockwerk sich die Wohnung befindet, oder das Vorhandensein eines Aufzuges. Ferner wurde auch die Lage berücksichtigt.

Ergebnis der Untersuchung lässt Ruf nach einer Neugestaltung des Mietssystems laut werden

Die Berechnungen des Mietzinses auf der vorgenannten Grundlage haben ergeben, dass bei den inserierten Wohnungen mit unbefristeten Mietverträgen der durchschnittliche Quadratmeterpreis 6,11 Euro betragen dürfte und bei befristeten Verträgen nur 4,58 Euro. Die tatsächlich verlangten Preise lagen allerdings bei 8,07 Euro beziehungsweise 8,30 Euro pro Quadratmeter. Das ergibt im Schnitt einen Aufschlag von 32 Prozent bei unbefristeten Mietverhältnissen und sogar von satten 82 Prozent bei befristeten Verträgen. Für die AK ist dieses Resultat eindeutig: Das Richtwertsystem bedarf dringend einer Neugestaltung. Weniger Befristungen und klar definierte Mietobergrenzen seien dringend notwendig.

Andere wiederum, wie Michael Pisecky, Obmann aller Wiener Immobilientreuhänder, findet, dass die Richtwerte deutlich angehoben werden müssten. Denn Wien hat den zweitniedrigsten Richtwert in Österreich, und selbst Gemeindewohnungen würden zu dem Preis vermietet werden, obwohl sie staatlich subventioniert seien. Private Eigentümer sind hingegen gezwungen, durch Zuschläge ihre Kosten zu decken, da der niedrige Mietzins nicht mehr hergebe. Würden die Richtwerte weiter nach unten korrigiert, könnte dies Vermieter abschrecken und zu mehr befristeten Verträgen führen.

 

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