Mieten

Wien: Wohnungsräumungen nehmen zu

von Silke Wellnitz am Mittwoch, 21. Dezember 2011
Auszug nach Wohnungsräumung
Wohnungsräumungen haben in Wien zugenommen. Foto: RainerSturm / PIXELIO

Die Zahl der Wohnungsräumungen in Wien hat zugenommen. Wohnungseigentümer erhalten immer öfter von den Richtern die Erlaubnis, Räumungsexekutionen vorzunehmen. In diesem Jahr werden insgesamt etwa 7.640 Fälle erwartet. Das sind gegenüber dem Vorjahr rund drei Prozent mehr. Dieses Ergebnis gab man am Montag auf einer Pressekonferenz des Landesgerichtes für Zivilrechtssachen bekannt.

Richter Peter Kovanyi ist davon überzeugt, dass die Zahlen die gegenwärtige wirtschaftliche Situation widerspiegeln. Es ist zu beobachten, dass Wohnungseigentümer inzwischen wesentlich schneller rechtliche Schritte einleiten, als dies noch in vor einigen Jahren der Fall war. Ein Vermieter wartet heute nicht mehr anderthalb Jahre, wenn der Mieter seine Miete nicht zahlt. In der Regel können Mieter bereits nach zwei bis drei Monaten im Rückstand mit unerfreulicher Post vom Gericht rechnen.

Einen Unterschied müsse man allerdings zwischen der Anzahl der Räumungsexekutionen und der Anzahl der Personen machen, die von einer Räumung bedroht sind. Hier fällt die Bilanz deutlich höher aus, schließlich ist von einer Räumung zumeist nicht nur eine Person betroffen, sondern gleich die ganze Familie. Auch nach dem Richterspruch kann es noch zu einer Einigung der Parteien kommen. Das ist in ungefähr der Hälfte der Fälle zutreffend.

Ein Fünftel der in Wien eingereichten Klagen hat Wohn- und Mietangelegenheiten zum Inhalt. Während sich einerseits zeigt, dass es den Mietern immer schwerer fällt, die Mieten zu zahlen, nimmt andererseits ebenfalls die Zahl der psychisch Kranken zu. Fühlen sich Nachbarn durch Lärm, Drohungen oder sogar Angriffe gefährdet, droht gleichfalls die Räumung. Psychische Störungen sind häufig bei jüngeren Menschen zu beobachten.

Im Gegensatz dazu nehmen die Klagen aus früheren Streitgründen ab. Ein klassisches Beispiel sind die Betriebskostenabrechnungen. Auch die Versuche, Mieter loszuwerden, um die Wohnung teurer zu vermieten, werden weniger. Selbst die zahlreich durch die Medien geisternden Mietnomaden sind in der Praxis relativ selten anzutreffen. Sie sind vor allem im Bereich der kleineren Geschäftslokale zu finden.

Mietstreitigkeiten machen weiterhin nicht vor Menschen halt, die ausreichend Geld haben. Laut Kovanyi sind derartige Auseinandersetzungen besonders aufwändig und werden stellenweise bis zum Höchstgericht gebracht. So wusste der Jurist um einen Fall, wo es darum ging, ob in einem Wiener Nobelviertel die Tochter eines Professors nach 20.00 Uhr Klavier spielen dürfe.

 

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