Bauen, Sanieren

Günstiger als Heime: Altersgerechte Wohnungen lohnen sich finanziell

von Silke Wellnitz am Donnerstag, 5. Januar 2012

Was die Zukunft hinsichtlich der Wohnsituation älterer Menschen in Österreich bereithält, wird nach Meinung der österreichischen Bauinnung bereits heute entschieden. Aufgrund der demografischen Entwicklung, wonach davon auszugehen ist, dass bis 2050 eine Erhöhung der Zahl der 80-Jährigen von derzeit 350.000 auf über eine Million erfolgen wird, wurde eine Studie beauftragt. Dort verglich man die verschiedenen altersgerechten Wohntypen.

Wie sieht altersgerechtes Wohnen in Österreich unter volkswirtschaftlichem Aspekt aus? Mit dieser Frage beschäftigte sich jüngst eine Studie der österreichischen Bauinnung. Fazit: Für den altersgerechten Umbau bestehender Eigenheime und Wohnungen müssen im Durchschnitt etwa 20.000 Euro investiert werden. Das Resümee, welches Rudolf Leitner von Leitner¬consult als Verfasser der Studie daraus zieht, lautet, dass es aus wirtschaftlichen Gründen wesentlich günstiger ist, die Senioren in ihrer gewohnten Umgebung zu lassen und keine Seniorenheime zu bauen.

Eine gleichzeitig von dem Marktforschungsinstitut GfK durchgeführte und ebenfalls von der Bauinnung beauftragte Studie zeigt eine hohe Bereitschaft für Investitionen in die barrierefreie Umgestaltung des privaten Wohnbereichs von Personen über 40 Jahren. Die Notwendigkeit dazu spiegelt sich in den Antworten der Befragten wieder: 63 Prozent bezeichnen ihr derzeitiges Wohnumfeld als nicht barrierefrei.

Mit den Erkenntnissen aus den beiden Studien fordert die Bundesinnung Bau eine umgehende Reaktion. Die Menschen könnten durch verschiedene Maßnahmen finanziell bei der Schaffung von altersgerechtem Wohnraum unterstützt werden. Die Bundesinnung spricht von steuerlichen Anreizen für die Umbaumaßnahmen und auch von einer Art Sanierungsscheck, um erst einmal den Anstoß für die Umgestaltung des vorhandenen Wohnraums zu geben. Bundesinnungsminister Hans-Werner Frömmel sieht in der Realisierung der Barrierefreiheit große Chancen, die sich nicht nur auf die gesteigerte Lebensqualität der Senioren bezieht. Außerdem würde nämlich auch die Bauwirtschaft angekurbelt und das Sozialbudget des Bundes, der Länder und der Gemeinden entlastet.

Der Nachbar Deutschland zeigt durch seine alarmierenden Prognosen, wie dringend gehandelt werden muss. Am Pestel-Institut in Hannover wurden die Folgen der ansteigenden Altersarmut im Hinblick auf die zu erwartende Wohnsituation genauer betrachtet: Nach der Studie werden zukünftig immer mehr Rentner auf die Grundsicherung vom Staat angewiesen sein, es sind vor allem Menschen betroffen, die aktuell von Hartz IV leben. Die sich daraus ergebenden Konsequenzen lassen sich leicht ableiten: Ein Großteil der älteren Menschen wird sich ihren derzeit genutzten Wohnraum bald nicht mehr leisten können.

 

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