Bauen

Probleme mit Pfusch am Bau

von Silke Wellnitz am Donnerstag, 29. Dezember 2011

Pfusch am Bau – für Bauherren, Bausachverständige, Bauingenieure, Poliere und Bauarbeiter ist er in Wien öfter Alltag, als man glauben mag. Ein Tag mit dem Bausachverständigen Günther Nussbaum-Sekora aus der Dokuserie „ATV-Pfusch am Bau“ offenbart die Realität auf den Baustellen in Österreich.

Den Anfang macht ein Gründerzeitbau im 11. Wiener Bezirk, der bis April kommenden Jahres erneuert werden sollte. Hier wird heute unter anderem die Qualität des Trockenbaus geprüft. Der Kommentar von Nussbaum-Sekora zur professionellen Ausführung der Arbeiten fällt allerdings ernüchternd aus. Seiner Ansicht nach muss der ganze Trockenbau noch einmal ausgeführt werden, sollte er feststellen, dass dieser überall so ausgeführt wurde wie an der getesteten Stelle. Für Polier und Bauingenieur ist dies ein überraschendes Ergebnis. Für sie sind die Arbeiten korrekt erledigt und geben keinerlei Grund zu Beanstandungen, immerhin sei man mit den Außenarbeiten bereits fast am Ende angekommen. Dafür herrscht im Inneren des Objektes reges Treiben. Schließlich soll der Bausachverständige in absehbarer Zeit wieder im Haus vorstellig werden und den so genannten Blower-door-Test durchführen, der Aufschluss über die Luftdichtheit des Gebäudes gibt. Aufgrund der heutigen Erkenntnisse könnte sich dieser allerdings noch ein wenig verzögern.

Nussbaum-Sekora geht auf die Baustellen, weil man dort die Realität sieht. Das betrifft auch Dinge, die man lieber nicht erfahren möchte oder die im Dunkeln bleiben sollen. Die Palette der Verfehlungen ist groß: Manchmal fehlen Abdichtungen oder sie wurden fehlerhaft angebracht, stellenweise wurde falsch verfugt, oft werden schlechte oder für den jeweiligen Zweck gar nicht zugelassene Materialien verwendet und natürlich darf die unsachgemäße Ausführung des Handwerks nicht vergessen werden.

Inzwischen haben Bauverantwortliche erkannt, dass es besser ist, bereits die Bauphase durch einen Sachverständigen überwachen zu lassen. Im 11. Bezirk war Nussbaum-Sekora schon acht Mal für den aktuellen Auftraggeber tätig. In der Vergangenheit wurde er aber erst eingeschaltet, als Gutachter Bauschäden aufdeckten, die noch in die Gewährleistungsfrist fielen. Wöchentlich zwei bis drei Tage ist er auf Baustellen unterwegs. Ganz Österreich ist sein Revier. Ansonsten ist er in seinem Büro anzutreffen. Dieses befindet sich im 15. Bezirk. Hier verfasst er Gutachten, schreibt Empfehlungen und Protokolle sowie Artikel für eine Internetseite.

Der Sachverständige bringt gleich mehrere Qualifikationen mit. Eigentlich ist er Spenglermeister, daneben besitzt er ein Zertifikat als Luftdichtheitsprüfer, ist Gebäudethermograf und Sonderfachmann für Gebäudeabdichtungen. Nussbaum-Sekora fühlt sich als Lehrer und Prüfer in einer Person. Er ist von der immer schlechter werdenden Zusammenarbeit der Baufirmen und den Bauarbeitern keineswegs angetan. Aber ein Lichtblick sind Baustellen, auf denen es nichts zu beanstanden gibt. Die sind nämlich ebenfalls noch zu finden.

 

Dieser Beitrag wurde unter Bauen abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentare sind geschlossen.