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Strategien gegen den Leerstand in Österreichs Innenstädten gesucht

von Silke Wellnitz am Donnerstag, 17. November 2011
Leerstandsproblem in Österreichs Innenstädten.
In Österreichs Innenstädten stehen viele Geschäfte leer, die Kunden bleiben aus. Foto : Karl-Heinz Laube / PIXELIO

Der gewerbliche Leerstand in den Innenstädten Österreichs ist kaum mehr zu übersehen. Darum wurde nun die erste Leerstandskonferenz einberufen, welche sich mit Strategien gegen die Verödung befasste. Die derzeitige Situation ist hauptsächlich für kleinere Städte existenzbedrohlich: Fehlt es hier an impulsgebenden Händlern wie Bäckern oder Apotheken, wird es aufgrund einer Abwanderung von Kunden ebenfalls für andere Unternehmen schwer, ihr Bestehen erfolgreich fortführen zu können oder in der Region Fuß zu fassen.

Das Problem ist akut: In vielen Innenstädten Österreichs stehen Gewerbeflächen leer. Ein Problem, das weitere nach sich zieht, denn wenn die Geschäfte fehlen, wandern auch die Kunden ab. Der Leerstand der Gewerbeflächen erweitert sich auf den Leerstand der Wohnimmobilien. In einer Leerstandskonferenz mit einem breiten Teilnehmerfeld aus Architektur, Raumplanung, Verwaltung, Stadtmarketing und Wirtschaft aus Österreich und Deutschland wurden nun Strategien erarbeitet, wie gegen dieses Problem vorgegangen werden kann.

Dass es durchaus möglich ist, die Innenstädte wiederzubeleben, macht die Gemeinde Waidhofen/Ybbs deutlich. Diese kämpfte anlässlich der Landesausstellung im Jahr 2007 unübersehbar mit dem Aussterben des Zentrums. Die Leerstandsquote bei den gewerblichen Immobilien in der hübsch sanierten Innenstadt lag bei fast 20 Prozent: Ein Alarmsignal, welches die Verantwortlichen verstanden haben. Fortan gab es einen Mietzuschuss für die ersten drei Jahre ab einer Fläche von 150 Quadratmetern, um neue Händler anzulocken. „Anfangs gab es dagegen Proteste der alteingesessenen Betriebe“, so Johann Stixenberger, Unternehmer und Berater der Stadterneuerung in Waidhofen gegenüber dem Standard. „Als der Leidensdruck hoch genug war, haben auch sie eingesehen, dass etwas geschehen musste.“ Außerdem wurde eine Hotline eingerichtet, um Interessenten das Nachfragen nach geeigneten Objekten zu erleichtern. Das Konzept ging auf: Heute ist Waidhofen/Ybbs wieder ein florierender und gut besuchter Ort.

Ganz so reibungslos wird es allerdings nicht überall laufen. Eine schnelle Verbesserung der Situation scheitert wohl zuerst einmal an der Überregulierung von Brandschutz, Denkmalschutz und Bauordnungen. Dazu kommt die Frage, ob Mietzuschüsse von den Kommunen überhaupt tragbar sind. Zudem wurde erkannt, dass man bestimmte Händler in die Städte holen muss, welche wiederum einen gewissen Umsatz verzeichnen können müssen. Die hauptsächlichen Umsatzbringer sind Frequenzverstärker wie Bäcker und Apotheken, aber auch Schulen, Cafés und Arztpraxen. „Die machen 50 Prozent der Tagesfrequenz aus“, bestätigt Stixenberger. Allerdings können sie nur existieren, wenn sie ausreichend Kunden haben: Wenn die Kaufkraft der Bevölkerung ausbleibt, nützen auch die größten Finanzspritzen nichts.

 

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